In den Kommentaren zum englischsprachigen Interview, das der amerikanische Fernsehsender NBC mit dem Apple CEO geführt hat, kam der Bedarf nach einer deutschen Zusammenfassung auf.

Diesen Wunsch wollen wir euch natürlich erfüllen, und liefern in diesem Artikel die wichtigsten Aussagen des Apfelchefs in deutscher Sprache nach. Vor kurzem gab Timothy „Tim“ Cook ein sehr seltenes Interview und äußerte sich unter anderem zur Entwicklung des Apple-Konzerns, zum Tod von Steve Jobs und dem Patentstreit mit Samsung.

Schon in der Ankündigung wird es deutlich: Eigentlich geben Apple-Verantwortliche keine Interviews für das Fernsehen – das war schon unter Steve Jobs so, und wurde bislang auch in gleichem Maße von Tim Cook gehandhabt. Für den Sender NBC war das Einverständnis für diese Aufzeichnung und die Ausstrahlung mit monatelangen Verhandlungen verbunden.

Betitelt mit „Cook iN Charge“ und produziert von Janet Klein, traf man sich also zunächst an einem der Orte, die Apple nachhaltig verändert hat: Die Grand Central Station in New York. Witzigerweise wird der charismatisch wirkende Tim Cook dort nicht von Passanten angesprochen – dafür allerdings umso mehr von Besuchern des Apple Stores, in den der Spaziergang den CEO und seinen Interviewpartner Brian Williams führt. „Ich glaube an Sie“, äußert sich ein sichtlich ergriffener Mann, und schüttelt dem freundlich lächelnden Cook die Hand.

Irgendwann ist auch Apple Geschichte
Mit Blick auf die große Halle der Grand Central Station folgt gleich die erste Frage des Interviewers. Darauf angesprochen, dass es für jedes Unternehmen eine Art Lebenszyklus gibt, der sich irgendwann schließt, und dass Apple der erste Konzern wäre, der diesen Kreis durchbricht, antwortet Tim Cook, „Darauf können Sie wetten.“

Nachdem man sich in einen der weiteren New Yorker Apple Stores zurückgezogen hat, beginnt man, die philosophischen Fragen aus dem Repertoire zu holen. Wie sehr er sich von Steve Jobs unterscheide, will Brian Williams, der Gesprächspartner, wissen. „Steve hat viel für mich getan. Er nahm eine große Last von mir, indem er mir einige Male vor seinem Tod sagte, ,Frage dich niemals, Was würde Steve tun?, sondern tue einfach das, was richtig ist.‘“

Auch die unangenehmen Fragen werden von Brian Williams nicht ignoriert. Die nicht wirklich komplette Siri-Sprachsteuerung, das Maps-Desaster und die Entlassung von zwei daran beteiligten Mitarbeitern – wie sehr war insbesondere letzteres Problem ein Rückschlag für Apple? „Maps erfüllte nicht die Erwartungen unserer Kunden, und schon gar nicht unsere eigenen. Ich kann sagen: Ja, wir haben es versaut. Und wir werden intern alles unternehmen, um diesen Zustand zu korrigieren.“

Lightning-Anschluss war zwingend notwendig
Interessiert ist Brian Williams auch am neuen Lightning-Adapter. Warum es denn unbedingt notwendig gewesen sei, diesen Standard seit kurzem zu verändern? „Wir haben den 30 Pin-Dock Connector mehr als 10 Jahre lang verwendet“, erklärt Tim Cook. „Aber die neuen Produkte ließen sich nicht ohne einen neuen Anschluss verwirklichen. Und sie sind es wert.“

Angesprochen auf das Paradox der exzessiven Geheimniskrämerei seitens des Unternehmens, aber der gleichzeitigen Erschaffung des gläsernen Apple-Kunden, verteidigt sich Tim Cook, „Wir halten es für wichtig, unsere Produktpläne geheim zu halten, denn die Menschen lieben Überraschungen.“ Eine eher böse Überraschung war die aktuelle Samsung-Werbekampagne, die Apple-User als uncool darstellte. Tim Cook jedoch reagiert gelassen. „Wir schätzen unsere Kunden, und wir verteidigen sie gegen alles und jeden. Gleichzeitig schätzen wir auch den Wettbewerb: Er macht uns noch besser. Aber wir wollen, dass die Konkurrenten ihre eigenen Dinge erfinden.“ Ein klarer Seitenhieb auf den anhaltenden Patentstreit zwischen Apple und Samsung.

Bezüglich dieses Themas entsteht die Frage nach der Härte, die in der Branche vorherrscht. Wären wir Außenstehende erstaunt, wie rauh es in diesem Geschäft zugeht? „Es ist hart. Sehr hart.“, sagt der Apple-CEO. „Man hat fortlaufend mit Hackern zu tun, die in die Systeme eingreifen, mit Menschen, die vertrauliche Informationen gewinnen wollen. Es ist ein stetiger Kampf.“

Wie Apple nicht zum zweiten Sony wird
In Bezug auf die aktuelle Popularität der Apple-Produkte zieht Brian Williams den Vergleich zu Sony heran: Früher gefeierte Marke, weltweit erfolgreich mit Walkman und Discman – und heute mehr oder weniger in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Wie schafft man es bei Apple, nicht zum zweiten Sony zu werden? „Wir sind sehr einfache Leute bei Apple“, erklärt Tim Cook. „Wir arbeiten daran, die besten Produkte der Welt zu machen, und das Leben der Menschen zu bereichern. Vielleicht haben einige Konzerne geglaubt, sie könnten alles erschaffen. Wir bei Apple müssen uns vergewissern, dass wir uns treu bleiben, immer fokussiert sind. Revolutionäre Produkte können nur sehr selten entstehen.“ An diesem Punkt stellt sich die Frage nach einem Fernseher aus dem Hause Apple. „Wir sind sehr an diesem Markt interessiert“, lässt der gute Herr Cook verlauten. „Der Bereich des Fernsehens wurde in der Vergangenheit stark vernachlässigt. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Dafür sprach Tim Cook im zweiten Teil des Interviews umso offener und ehrlicher über den Tod von Steve Jobs, seinem Vorgänger bei Apple. „Es war die traurigste Zeit meines Lebens“, gesteht er. Wusste er, wie krank sein Vorgesetzter wirklich war? „Ich dachte immer, er würde schon wieder zurückkommen, so wie er es bereits mehrere Male getan hat. Erst kurz vor seinem Tod realisierte ich, dass es dieses Mal nicht passieren wird.“

Auch das nächste Thema – die Arbeitsbedingungen in den chinesischen Produktionsfirmen – ist kein angenehmes für den Apple-Boss. „Einige Teile des iPhone 5 wurden sogar in den USA hergestellt“, sagt Tim Cook auf die Frage, warum Apple kein ,Made in America‘-Unternehmen sei. „Die Glasoberfläche beispielsweise stammt aus Kentucky. In Zukunft planen wir, diese Produktionsanteile in den USA noch zu erhöhen. Schon im nächsten Jahr soll einer unserer Macs in Amerika gefertigt werden.“ Wie würde sich dieser Schritt auf die Preise auswirken? „Es geht nicht so sehr um den Preis“, weicht Tim Cook aus. „Vielmehr sind die Fertigkeiten, die zu so einer Produktion notwendig sind, wichtig.“

Tim Cook – ein ganz normaler Typ
Was jedoch brachte den „scheinbar so normalen Typen“ (O-Ton Brian Williams) zu einem Unternehmen wie Apple? „Alle dachten, ich wäre verrückt“, berichtet der CEO. „Ich war gerade bei Compaq angefangen, gerade nach Houston gezogen. Ich erklärte mich mit einem Gespräch mit Steve Jobs einverstanden. Und nach fünf Minuten wollte ich alles über Bord werfen und zu Apple gehen. Der Rest ist Geschichte.“

Geschichtsträchtig ist auch das Geheimnis um das private Leben des neuen Apple-Chefs. Was er machen würde, wenn er das Bedürfnis hätte, mal raus zu kommen? „Ich gehe jeden Morgen um 5 Uhr ins Fitnessstudio“, berichtet Tim Cook. „Wenn ich frei habe, besuche ich gerne die Nationalparks: Ich liebe es, in der Natur zu sein. Diese Dinge helfen mir, herunterzufahren und klar zu denken.“

Klares Denken hilft auch bei der Beantwortung der letzten Frage – der Zukunft des Apple-Konzerns. Wo sieht man sich in 10 Jahren? „Unser erklärtes Ziel ist es, den Menschen etwas zu geben, von dem sie nicht wussten, dass sie es haben wollten. Und sobald sie es in den Händen halten, werden sie sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen können. Darauf kann man sich auch in Zukunft bei Apple verlassen.“

Das Interview findet ihr im englischen Original entweder in zwei Teilen auf YouTube (Teil 1 & Teil 2) oder auch in weitaus besserer Qualität direkt auf der Website des amerikanischen Nachrichtensenders NBC (Direkt-Link).

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Tim Cook-Interview mit NBC: Die wichtigsten Aussagen als deutsches Transkript

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